Frühförderung aus Elternsicht

Unser Sohn B. kam im Oktober 2010 zur Welt. Bei Entlassung aus der Klinik galt B. als gesundes Kind, abgesehen von Klumpfüßen, die in den ersten Lebensmonaten entsprechend therapiert wurden. Jedoch blieben im Laufe der ersten Monate die erwarteten Entwicklungsschritte aus; erste Sorgen kamen auf und auch die Idee, die Hilfe einer Frühförderstelle in Anspruch zu nehmen. Bevor diese jedoch starten konnte, überschlugen sich die Ereignisse. B. hatte mit ca. einem halben Jahr epileptische Anfälle, es folgte ein wochenlanger Klinikaufenthalt. Nachdem zumindest eine Teildiagnose feststand, die uns klarmachte, wie schwerwiegend B. von einer Behinderung betroffen ist, stand für uns Eltern der Entschluss fest, die Frühförderung auf jeden Fall in Anspruch zu nehmen. Der große Vorteil für uns war zuallererst, dass die Förderung bei uns zu Hause stattfinden konnte, ständige Fahrten (auch zum Krankengymnastikrezepte abholen) entfielen.

Nun kommt seit Sommer 2011 eine Physiotherapeutin zweimal die Woche zur Bobath-Therapie, eine weitere Physiotherapeutin einmal die Woche zur Kontrolle unserer Vojtaübungen, die wir selbst zweimal täglich mit B. durchführen.

Im Januar 2012 kam noch eine Frühförderin des Blindeninstituts Würzburg hinzu, die einmal wöchentlich die Förderung des Sehens und aller weiteren Sinne übernimmt. Mittlerweile sind alle Therapeutinnen fast schon Familienmitglied, es herrscht eine entspannte Atmosphäre und auch für die Sorgen von uns Eltern haben die Therapeutinnen stets ein offenes Ohr.

Auch bei vielen Fragen rund um Ernährung, Gesundheit etc. steht uns unsere Bobath-Therapeutin beratend zur Seite und ist somit ein wichtiger Ansprechpartner für uns geworden. In den vielen Förderstunden haben wir aber noch sehr viel mehr als Förderung mitgenommen, z. B. welche Förderungen, Lagerungen etc. lassen sich wie in den Alltag integrieren, wie könnte man Bereiche der Wohnung für das Kind ansprechender gestalten. Auch die Versorgung des Kindes mit den erforderlichen Hilfsmitteln, Orthesen etc. wurde von einer Therapeutin beratend begleitet.

Interessant sind für B. und uns Eltern auch die Fülle an Spiel- und Fördermitteln, die die Therapeutinnen regelmäßig aus ihren Kisten zaubern und uns Eltern viele Anregungen bieten, diese in unseren Alltag zu übernehmen.

Bis heute kann ich jedenfalls sagen, dass es für uns die richtige Entscheidung war, die Förderung in die Hände der Frühförderstelle zu legen. Der hier stattfindende Austausch zwischen den einzelnen Therapeuten, deren fundierte Ausbildung und langjährige Erfahrung, gibt uns die Sicherheit, dass die bestmögliche Frühförderung für B. gewährt wird.

 

Purzelgruppe aus Elternsicht

Einmal monatlich findet die Purzelgruppe statt. In der Turnhalle der Frühförderstelle treffen sich die Kleinsten der von der Frühförderstelle betreuten Kinder und ihre Eltern. Bei Kaffee und Kuchen bietet sich hier für uns Eltern die Gelegenheit zum Austausch mit anderen Familien, deren Kinder ebenfalls von einer Behinderung oder starken Entwicklungsverzögerung betroffen sind.

Für die Kinder werden allerlei Spielgeräte bereitgestellt und die Kinder werden von einer Physiotherapeutin und einer Psychologin betreut. So können die Eltern sich auf das Gespräch untereinander konzentrieren. Aber wir passen auch gegenseitig auf die Kinder auf und die zwei „Fachfrauen“ beteiligen sich am Gespräch. Natürlich sind auch Geschwisterkinder willkommen.

So finden wir Eltern Kontakt zu anderen Familien mit „besonderen“ Kindern. Wir lernen uns gegenseitig kennen, tauschen Erfahrungen, Tipps und Tricks aus. Manchmal kann man anderen Betroffenen auch Erlebnisse und Gefühle erzählen, die diese wegen der vergleichbaren Situation gut verstehen können.

Unsere Kinder finden hier die Möglichkeit mit anderen Kindern in einer kleinen Gruppe zu spielen, zu lernen und Rücksicht aufeinander zu nehmen.

Gerade weil ein Treffen mit anderen Eltern und Kindern beim Babyschwimmen, Pekip, Krabbelgruppe etc. mit unseren Kindern schwierig ist, können hier Themen, Fragen, Erfahrungen besprochen werden, die das Großwerden eines „besonderen“ Kindes mit sich bringen.
Die Therapeutinnen der Frühförderstelle bemühen sich mit Infomaterial (z.B. Zeitschrift Downsyndrom, Pflegegeld-Handbuch) oder Informationsabenden mit Fachleuten um alle offenen Fragen zu beantworten und das Gespräch untereinander zu fördern.

Wichtige Themen für uns sind immer wieder:

  • Behindertenausweis
  • Pflegestufen, Pflegegeld
  • Verhinderungspflege
  • Kindergartenwahl und besondere Möglichkeiten wie z.B. SVE
  • Und viele aktuell interessante Themen

 

Einzelintegration

Was ist Einzelintegration?

Es ist in kurzen Worten die Begleitung und Unterstützung eines Kindes mit besonderen Bedürfnissen (z.B. durch eine Behinderung oder starke Entwicklungsverzögerung) in der Kindergartengruppe, damit dieses Kind seinen Platz in der Gruppe findet. Es ist aber auch die Anleitung und Unterstützung der Erzieherinnen im Umgang mit dem Kind in der Gruppe und die Zusammenarbeit mit den Eltern im Rahmen des Kindergartenalltags.

 

Ein Jahr Einzelintegration mit einem vierjährigen Buben im örtlichen Kindergarten:

Im September 2009 begann meine Arbeit in einer Kindergartengruppe mit 22 Kindern. Ich besuchte Anton (Name geändert) zweimal in der Woche für je 90 Minuten in seiner Gruppe.

Anton ist ein kleiner lebhafter Junge mit Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung, motorischen Entwicklung und im Sozialverhalten. Er hat einen deutlichen Entwicklungsrückstand. Anfangs war Anton unsicher und brauchte Zeit, um sich an mich zu gewöhnen. Die anderen Kinder waren sehr offen und für sie war es schnell zur Gewohnheit geworden, dass ich komme, um „Anton zu helfen und mit ihm zu lernen“.

Aufgrund seiner besonderen Bedürfnisse brauchte Anton hauptsächlich Unterstützung beim Erlernen von Regeln und Gewohnheiten im Kindergartenalltag und im Umgang mit anderen Kindern. Mit den sehr engagierten und offenen Erzieherinnen erarbeitete ich Möglichkeiten und Strukturen, um für Anton die nötigen Regelmäßigkeiten im Alltag zu schaffen, die er brauchte, um sich wohlzufühlen, aber auch gleichzeitig auf genügend „Freiheiten“ für die anderen Kinder zu achten.

Meine Aufgabe war es auch, viel zu beobachten, um Anton bei Krisen mit anderen Kindern zu helfen, Lösungen zu finden, so dass auch die Bedürfnisse der anderen Kinder Beachtung fanden. Wichtig war es mir, dass das zu betreuende Kind keine Sonderrolle erhielt und somit für die anderen Kinder zum Außenseiter wird.

Nach ca. 3 Monaten hatte Anton seinen festen Platz in der Gruppe gefunden und wurde mit immer wieder notwendigen „Erklärungen und Gesprächen“ mit den anderen Kindern so akzeptiert, wie er war. Anton erlebte immer wieder kleine Anzeichen von Zuwendung, er wurde zu einem gemeinsamen Spiel aufgefordert oder die Kinder wollten mitspielen, wenn ich mit ihm spielte. Die Begleitung und Unterstützung beschränkte sich nicht nur auf den Alltag in der Kindergartengruppe, sondern ich war auch bei vielen Aktivitäten außerhalb des Kindergartens dabei, z.B. Waldtag, Nikolausfeier, Fasching, Spaziergänge oder auf dem Spielplatz. Für Anton war es wichtig zu erfahren, dass sich die nötige Hilfe für ein angemessenes Sozialverhalten auf alle Aktivitäten des Kindergartenalltags bezog.

Im Verlauf des Jahres konnten die Erzieherinnen feststellen, dass Anton, auch wenn ich nicht da war, veränderte Verhaltensmuster zeigte und sich viel wohler im Kindergarten fühlte.

Die Elternarbeit fand im Rahmen des Kindergartenalltages statt, d.h. Elterngespräche fanden immer mit den Erzieherinnen gemeinsam statt.

Im Rückblick kann ich sagen, dass es ein schönes Jahr für mich war, mit vielen positiven Erfahrungen für mich, für die Erzieherinnen und für alle Kinder der Gruppe bzw. den Kindergarten und nicht zuletzt natürlich auch (ganz wichtig!) für Anton und seine Familie.

 

sensorische Integrationstherapie

Sensorische Integration gehört zur normalen Entwicklung und bedeutet das Ordnen, Verarbeiten und Koordinieren von Empfindungen aus verschiedenen Sinneskanälen. Sie betrifft vor allem den Gleichgewichtssinn, die Tiefensensibilität und den Tastsinn. Nach einer guten Eingliederung dieser Sinne können daraus Wahrnehmung, Lernprozesse und angepasste Verhaltensweisen geformt werden. Sensorische Integration – die Verbindung und Verarbeitung von allen Sinnen – ist die Grundlage für Haltung und Bewegung, für alles motorische und geistige Lernen und die emotionale Entwicklung. Verzögerungen der Entwicklung können Hinweise auf Störungen im sensorischen Integrationsprozess sein. Eltern merken zuerst, wenn hierbei etwas nicht stimmt. Aber sie sind oft unsicher, wie sie ihre Beobachtungen einschätzen sollen. Was ist eine verspätete Entwicklung, die man abwarten kann, und wann zeichnet sich eine Störung ab, die Behandlung braucht? Kinder sind unterschiedlich schnell in ihrer Entwicklung. Aber sie machen stetig kleine Fortschritte. Kinder sind von Natur meist sehr sicher in der Auswahl von Sinnesnahrung und bei der Auswahl von Betätigungen zu ihrer sensomotorischen Lernerfahrung. Damit strukturieren und entwickeln sie ihr Nervensystem und Gehirn in der spielenden Betätigung. Sie tun das mit Neugier, Tatendrang und Freude. Es ist ein enorm wichtiger Vorgang und bildet die Grundlage für Bewegung, Sprache, Denken und schulisches Lernen.